Das wärmste Haus von Grafing

Donnerstag, 22. Januar 2009 0:00 von

In der Ausgabe 1/2009 berichtete house and more, das Kundenmagazin der Bausparkasse Schwäbisch Hall, über das Wohnhaus in Grafing an der Vazzaninistraße, das vom Architekten selbst bewohnt wird.

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Das wärmste Haus von Grafing

Ein Architekt hat es sich in seinem Doppelhaus bei München richtig gemütlich gemacht. Der Umwelt zuliebe …

Eigentlich wollte ich ja das ganze Doppelhaus vermieten“, bekennt der Architekt Klaus Beslmüller, „aber dann habe ich meine Familie drinnen herumgeführt. Und die wollte gar nicht mehr weg.“ Also packte man die Koffer und zog vom alten Grafinger Einfamilienhaus in die rechte Hälfte des neuen Doppelhauses. Wen wundert’s, hat dieses doch nicht nur ein bestechend modernes Innenleben; auch außen genügt es hohen ästhetischen Ansprüchen — trotz Solaranlage.

„Ich kenne das aus meiner beruflichen Praxis vom Gespräch mit den Bauherren“, sagt Beslmüller. „Wenn man jemandem normale Solarplatten schmackhaft machen will, heißt es oft: ‚Ich würde ja auch gern die Umwelt schonen. Aber wie das aussieht …!‘“

Also musste er sich etwas einfallen lassen. Ein echtes Energie-Vorzeigehaus sollte der Neubau aber schon werden: Beslmüller suchte nämlich nicht nur nach einer sicheren Geldanlage, er wollte auch endlich etwas bauen, das den Kunden seine Architekturphilosophie vermittelte.

Als der Rohbau 2005 fertig wurde, war das solare Rückgrat des Gebäudes nur noch für Fachleute zu erkennen: Statt funkelnder blauer Dachplatten schmiegten sich unauffällige graue Röhren in die seitliche Fassade. „Die Röhrenkollektoren waren damals noch neu auf dem Markt. Sie haben einen unschlagbaren technischen Vorteil“, sagt Beslmüller. „Im Gegensatz zu den Platten nutzen sie das Sonnenlicht so gut aus, dass auch im Winter reichlich Energie zusammenkommt. Und erst durch das Doppelhauskonzept wird die Leistungsfähigkeit dieser Anlage richtig ausgenutzt.“

Ein diffiziles System von Fühlern und Steuereinheiten durchzieht das gesamte Haus, damit die Wärme immer nur dorthin geht, wo sie gerade gebraucht wird. Geheizt wird direkt über die Böden und indirekt über die Wände: In den Fußboden eingelassen ist eine Heizung, die nicht wärmer als 23 Grad Celsius wird. Der Stahlbeton der Wände nimmt die überschüssige Raumwärme auf und gibt sie ab, sobald die Luft kühler wird. Diese Wärmestrahlen fühlen sich wärmer an als jede laufende Heizung. „In der Regel frösteln Menschen dann, wenn die Flächen um sie herum Kälte abstrahlen – relativ unabhängig davon, wie warm die Luft ist“, sagt Beslmüller. „Bleiben die Flächen warm, hat man das Gefühl der Gemütlichkeit. Und bei uns ist es sehr gemütlich …“

Natürlich kam er, um diesen Effekt zu erzielen, auch nicht um eine sehr gute Isolierung herum. Die Glasfronten bestehen aus Hightech-Fenstern, die mit dem Edelgas Krypton gefüllt sind, so dass kaum Heizwärme heraus-, im Sommer aber Sonnenwärme hineingelangen kann. Wo die Außenwände aus Beton bestehen, ist das Haus mit einer zwölf Zentimeter dicken Dämmstoffschicht isoliert — auch von unten. „So entstand eine geschlossene Iso- Hülle für unser Haus, ganz ohne Kältebrücken“, sagt Beslmüller.

Mieter für die zweite Hälfte fanden sich auch gleich nach dem Einzug – und sie waren ähnlich kurzentschlossen kurzentschlossen wie die Beslmüllers selbst. „Eigentlich hat die sechsköpfige Familie das Haus nur besichtigt, weil sie selbst in der Nähe bauen wollte. Es hat ihnen dann so gut gefallen, dass sie blieben.“

Durch die Quaderform gibt es reichlich Platz für alle zehn Personen. Sollten es noch mehr werden: Beslmüller wird hier wohnen bleiben, das Haus ist ja auch auf die Zukunft eingerichtet. Alle Innenwände könnten leicht versetzt werden, weil sie nur auf dem Estrich aufliegen. „Es gibt fast keine Familiensituation, der wir uns nicht mit einem Umbau schnell anpassen könnten“, sagt er. Sogar der Schacht für den Treppenlift ist schon da.

(Nike Heinen)

aus: house and more, Kundenmagazin der Bausparkasse Schwäbisch Hall, Ausgabe 1/2009
(mit freundlicher Genehmigung des Verlages)